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Weihnachten auf der Vulkaninsel Lanzarote

Herzlich Willkommen auf der Kanareninsel Lanzarote! Am 24. Dezember begrüßte uns am Flughafen in Arrecife die liebe Sonne und bescherte uns äußerst angenehme Temperaturen von 25°C. Auf dem Weg zum Hotel dudelte es im Radio „Feliz Navidad“. Rundherum Palmen, Sand, Meer und Menschen in kurzen Klamotten. Unmittelbar stellte sich das Sommer-Urlaubsfeeling ein.

Im Hotel bei Puerto del Carmen angekommen, vermischte sich das Sommerfeeling mit einer dezenten Weihnachtsstimmung. Hier war man voll auf die Saison eingestellt. Es gab einen dekorierten Tannenbaum, Personal mit rot-weißen Zipfelmützen, eine riesige Weihnachtskrippe…ok, so ist das also, die Feiertage im Süden!
Erstmal ein Glas Sekt am Pool, auf meinen Geburtstag und die kommenden Relax-Tage anstoßen.

Und wenn ich an einem Urlaubsort angekommen bin, dann möchte ich am liebsten direkt das Meer sehen. Also, ab durch die wunderschöne Hotelanlage und ein paar Meter später hatte ich den breiten Sandstrand bei (Los Pocillos) schon vor meiner Nase. Schuhe aus, Füße Sand unter den Füßen spüren und Wassertemperatur testen. 

Auf Lanzarote gibt es einiges zu erkunden. Besonders beeindruckend fand ich den Timanfaya-Nationalpark (Montañas del Fuego - Feuerberge). Er befindet sich im Südwesten der Insel auf einer Fläche von rd. 50 Quadratkilometern. Zahlreiche Vulkane schlummern hier vor sich hin. Der letzte Vulkanausbruch fand 1824 statt. Heute ist die Gegend ein Besuchermagnet. Man kann sich das Lavameer bei einer 14 km lange Rundfahrt - nur per Bus - zeigen lassen. Die fantastischen Farben brachten mich zum Staunen. Ich konnte mich nicht sattsehen. Trotzdem wirkt die Gegend auf mich sehr still und inmitten von unbewachsenen Lavameeren auch etwas unheimlich.
Eine Tour zu den Feuerbergen ist meine unbedingte Empfehlung!

Um die gewaltigen Kräfte zu zeigen, die dort unter der Erde schlummern, werden den Besuchern einige naturwissenschaftliche Experimente vorgeführt. Unter anderem darf man heiße Steine in den Händen halten, die mit einer Schaufel ausgegraben werden oder Stroh beginnt in einem tieferen Loch zu brennen. Wer hungrig wird, kann sich im Restaurant "El Diablo" Kartoffeln auf einem speziellen Vulkanhitze-Grill garen lassen.

Wir fahren weiter zu einem kleinen Küstenort im Südwesten der Insel: El Golfo. Hier bildete sich durch einen teilweise im Meer versunkene Krater des Vulkans Montaña de Golfo die Lagune Charco de los Clicos. Sie wird durch eine unterirdische Verbindung zum Meer gespeist und erhält ihre markante grüne Farbe durch einzellige Algen.

Zwischen dem Fischerdorf El Golf und Salinas de Janubio lieg die Felsenküste Los Hervideros. Hervideros bedeutet auf deutsch „sieden“. Das Wasser soll an dieser Stelle den Anschein haben, immer noch zu „kochen“. Die Gesteinsmassen sind bei den letzten großen Vulkanausbrüchen um 1730 entstanden, als sich die heißen Lavamassen des Montana del Fuego in das Meer ergossen und schnell erstarrten. Leider war die Brandung an jenem Tag nicht besonders stark und die Wellen auch nicht besonders hoch, sodass sich uns dieses Naturschauspiel nicht ganz erschloss. Ein paar schöne Fotos gab es aber allemal.

Eine besondere Art des Weinbaus ist auf den nächsten Fotos zu sehen. Das Gebiet am Rande des Nationalparks Timanfaya heißt „La Geria“. Auf dem felsigen Boden sind feine Sandschichten vulkanischen Ursprungs, die bis zu eineinhalb Meter dick aufliegen. Sie speichern die Nachtfeuchtigkeit und ermöglichen so den Weinstöcken ein gutes Wachstum. Außerdem bieten sie Schutz vor Austrocknung durch Sonne und Wind. Die einzelnen Pflanzen können sich nur in tieferen Löchern entwickeln, eingerahmt von schützenden, halbrunden Steinmauern. Eine kleine Weinprobe bestätigte uns, dass es sich um einen sehr ungewöhnliches, eigenwilliges Tröpfchen handelt.
Der Ausblick über das Gebiet war grandios, auch wenn die Reben etwas vertrocknet wirken (sind?)!

In Teguise - geographisch im Zentrum der Insel - gibt’s allerlei lanzerotenische Handwerkskunst, einen üppigen Wochenmarkt (leider nicht Ende Dezember) und die neugotische Kirche San Miguel. Sie ist eine der ältesten Kirchen der Kanaren, weshalb wir einen kurzen Abstecher dorthin machten.

Weiter ging die Tour zu "Jameos del Agua". Diese Attraktion wurde von César Manrique (später hierzu mehr) erbaut und ist Kunst- und Kulturstätte sowie Touristenattraktion in einem. Es handelt sich um eine teilweise eingestürzte Lavaröhre, die mit Restaurants, Pool und Veranstaltungsstätte / Konzertsaal ausgebaut wurde. Das Wort "Jameo" steht für Hohlraum oder Vertiefung im Erdboden.

Also hinein ins Abenteuer - durch eine Treppe geht's über eine offene Lavablase nach unten, direkt in ein Restaurant. Überall sind Bepflanzungen und von einer Terrasse aus kann man auf einen unterirdischen See blicken. Hier lebt eine Krebsart (Albinokrebse), die sonst nur in ozeanischen Tiefen über 2000 Meter vorkommt. Die Krebse sind winzig, nur etwa 1,5 cm groß und hier auf dem Foto lassen sie sich mit etwas gutem Willen als kleine weiße Punkte erkennen.

Vom See aus führt eine bepflanzte Steintreppe zu einem weißen Schwimmbecken, das heute (leider) nicht mehr zum Baden genutzt wird. Hinter dem weißen Becken liegt eine Grotte mit einem Konzertsaal mit 600 Sitzplätzen. Er wird überall als Herzstück der Einrichtung bezeichnet. Ich empfand ihn aber nicht als so spannend, deshalb gibt's davon auch kein Foto hier.

Sehr schön anzusehen waren die Vegetation und die Idee, auf verschiedenen Ebenen Restaurants etc. in die Natur zu integrieren.

 

Im Tal der tausend Palmen aßen wir zu Mittag (Haría). Eine Sage erzählt, dass immer, wenn in der Gegend ein Mädchen geboren wurde, eine Palme gepflanzt wurde. Wenn ein Sohn auf die Welt kam, pflanzte man zwei.
Besonders viele Palmen habe ich nicht gesehen, dafür grüne Hügel, bunte Blumenwiesen, Kakteen... Weil es im Herbst auf der Insel bereits viel geregnet hatte, kamen wir in den Genuss dieser Blütenpracht.

César Manrique war ein spanischer Maler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer auf Lanzarote. Er hat das Bild der Insel maßgeblich geprägt. Manrique verstand Kunst als enge harmonische Verbindung zwischen Mensch und Natur. Die Assoziation „Aschehaufen und Trümmerfeld“, die viele Touristen mit der Kargheit der Vulkaninsel Lanzarote verbinden, hat Manrique zeit seines Lebens missfallen. Er empfand seine Heimat als wilde und lebendige Naturschönheit, die er zur touristischen Besonderheit umgestalten wollte. Manrique entwarf mehrere Touristenattraktionen für Lanzarote und die benachbarten Inseln. Er setzte sich dafür ein, die landschaftliche und kulturelle Identität seiner Heimatinsel zu bewahren und zu erhalten. Im Jahr 1995 wurde er von der Inselregierung zum "bevorzugten Sohn" der Insel erklärt, um sein Engagement zu würdigen. Auch viele Jahre nach seinem Tode darf beispielsweise nirgends höher als zwei Stockwerke gebaut werden und es befinden sich keine Werbeplakate an den Straßen.

Das Erbe von Manrique wird von einer Stiftung verwaltet, die sich selbst trägt und die Bereiche Kunst, Umwelt und Natur auf der Insel fördert.
Wir haben das Haus besichtigt, das zuletzt von ihm bewohnt wurde und heute Sitz und Verwaltungsgebäude der Stiftung beherbergt.

Neben seiner privaten Kunst- und Gemäldesammlung kann man hier wieder die Integration von Felsen, Stein und erstarrten Lavaströmen in einen Wohn- und Lebensraum auf sich wirken lassen. Ein wahres Paradies für Fotografen! Wir waren uns einig, dass wir dort sofort einziehen würden.

La Graciosa ist die kleinste bewohnte Insel der Kanarischen Inseln. Sie befindet sich nördlich von Lanzarote und kann vom Aussichtspunkt Mirador del Río bewundert hervorragend bewundert werden. Logisch, dass wir dort hinmussten! Der Aussichtspunkt lag einige Meter hoch auf einem Felsen. Hier hatte Manrique wieder die Finger im Spiel und ließ eine Aussichtsplattform in den Felsen integrieren. Ohne Ecken und Kanten, Architektur mit Natur verbunden, viel Glas. Es gab ein Café mit Panoramascheiben, durch die man einen Blick auf die Landschaft werfen konnte. Das war uns nicht "nah dran" genug, also stiegen wir über ein enges Treppenhaus auf die oberste Ebene. Hier bließ ein unvorstellbar starker Wind. Es war zwar möglich, einige Fotos zu machen, aber ein gemütliches Verweilen stellte ich mir anders vor...

Übrigens war der Aussichtspunkt 1979 einer der zentralen Drehorte der Fernsehserie Timm Thaler.

Insgesamt bietet die Insel Urlaubern ein breites Spektrum an Attraktionen. Hier kommen sowohl Badenixen als auch Aktivurlauber auf ihre Kosten. Innerhalb von 4 Stunden kann man dem frostigen, deutschen Winter entfliehen und sich sommerliche Kanarensonne auf den Bauch scheinen lassen. Einzig den Wind...den mag man, oder auch nicht. Verlockend? Ausprobieren!

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